Ausstellungen

Verena Junker, Hallau

Die Ausstellung Verena Junker…

… ist bis Ende Juni jeweils samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet oder nach telefonischer Absprache (079 456 24 91)

 

 

aus Klettgauer Bote:

Die Lebenskunst hat viele Farben
Zu Besuch bei der Künstlerin Verena Junker, die seit 16 Jahren an der Statthofgasse in Hallau wohnt und mit ihrer Ausstrahlung, ihrer Gradlinigkeit und ihrem enormen Kunstschaffen grossen Eindruck hinterlässt.
Hallau Schmale Wege und Treppen, umsäumt von blühenden Gärten führen zum Riegelhaus, worin sich Verena Junker in einer Dreizimmerwohnung mit Galerie kunstvoll eingerichtet hat. Die Dame mit den vollen, schneeweissen Haaren empfängt ihre Gäste mit einem Lächeln, das ans Herz rührt. Klein ist sie, aber von ihr geht eine Grösse aus, die nach Respekt verlangt. Sie heisse «Vre» gibt sie zu verstehen und wünscht auch so angesprochen zu werden. Ihr Handicap seit ihrer Geburt, die beiden missgebildeten Hände, getraut man sich nicht zu fassen, aus Angst man könnte ihr wehtun. Woher rührt diese Vertrautheit und das Gefühl, man müsse diese Frau einfach gern haben und umarmen? Eine Begrüssung, die auf der Stelle alles Befremdende abfallen lässt und für eine offene und unkomplizierte Unterhaltung sorgt.
Vre wurde im Jahre 1933 als ältestes Kind von drei Geschwistern und auch als einzige in der ganzen Verwandtschaft mit zwei missgebildeten Händen in Winterthur geboren. Man habe dazumal nicht über solche Dinge geredet. Kein Federlesen gemacht. Es war einfach so. Erst in der dritten Klasse der Sekundarschule hatte man ihr in der Klinik Balgrist den Vorschlag gemacht, eine «Schmuckhand» anzufertigen. Das kam für Vre überhaupt nicht in Frage. Damit hätte sie sich völlig abhängig von anderen gemacht und sie wollte nichts so sehr wie selbstständig und frei sein.
Der Kampf um Unabhängigkeit
Man habe sich über ihren Trotzkopf geärgert, aber ihr war das egal. Zum Glück! Vre focht einen überzeugten Kampf aus, den Kampf, unabhängig und selbstbestimmt leben zu können. Eine Entscheidung in jungen Jahren, die sie auf ihrem weiteren, beruflichen Werdegang vorangetrieben habe. Nach Abschluss der Sekundarschule besuchte sie ein Vorbereitungsjahr, um danach die Textilfachschule in Zürich absolvieren zu können. Sie habe sich sehr anstrengen müssen, erinnert sie sich. Für alles, was ein Mensch mit gesunden Händen bewerkstelligt, benötigt sie viel Zeit. Aber Vre wusste, was sie wollte und setzte ihren Willen durch. Als Stoffdesignerin im Angestelltenverhältnis wurde es ihr aber schon bald langweilig. Ihre Kunstideen wurden zu wenig goutiert und Vre hatte das Gefühl auf diesem Gebiet nicht weiterzukommen. Nach einigen anderen Anstellungen fand sie schliesslich zur Kunstmalerei, wobei sich der angestammte Beruf als willkommene Grundlage erwies. Wie aber malt sie die Bilder mit exakt gezogenen Linien? Wie schafft sie überhaupt ein Kunstwerk? Ohne Umschweife demonstriert die Künstlerin, wie sie den Malpinsel zwischen ihre Hände klemmt und mit dem einzigen Finger bewegt. Unfassbar! So viel Schaffenskraft. So viel Idealismus. Und so viele Kunstbilder in kräftigen Farben, die einen beim Betrachten überwältigen, weil daraus die Seele spricht. Sie habe viele Techniken ausprobiert. Aquarell, Öl, Radierungen, Lithographien, Collagen und vieles mehr. Eine Ansammlung von grossen und kleinen Bildern und dreitausend Originalkunstkarten, Mappen mit Bündeln voller Skizzen belagern die gemütliche Dachgalerie im Obergeschoss, die durch eine schmale Wendeltreppe erreichbar ist.
Ein Atelier, das von Arbeit, aber auch vom Reifegrad der Künstlerin spricht. Und da sitzt Vre und meint, dass alles noch viel besser und schöner sein sollte und dass kein einziges Bild wirklich fertig gemalt sei. Ihre Perfektionsansprüche scheinen das Kunstschaffen massgeblich geprägt zu haben. So wie sie ihren Haushalt perfekt aufräumt und blitzblank putzt und jeden Tag ein einfaches Essen kocht, so setzt sie sich hin und überlegt die einzelnen Handgriffe, wie sie die Dinge am besten anpacken und wie ein Bild entstehen soll.
Von der Kunst leben
Siebzehn Jahre lang lebte Vre, trotz ihres Handicaps, von ihrer Kunst. In verschiedenen Galerien stellte sie in jüngeren Jahren ihre Werke aus und verkaufte sie. Sie ist umgeben von Kunst. Auch von Kunstgegenständen, die sie selber aus Abfallprodukten hergestellt und bemalt hat. Kleine Holzstücke etwa, die man im Normalfall wegwirft oder verbrennt, zauberte Vre in einen Kunstgegenstand. Sie hat sich im Laufe der Jahre zu einer bewundernswerten Lebenskünstlerin entwickelt.

Nun, im Alter von sechsundachtzig Jahren, wird wieder ein Teil ihrer Bilder ausgestellt: In der Galerie «fermate» von Marlies und Rolf Bänziger in Hallau, vis-à-vis vom Coop. Eröffnung ist am Samstag, 8. Juni, 11 bis 14 Uhr und ist geöffnet jeden weiteren Samstag im Juni um dieselbe Zeit. Katharina Nimanaij.